Daten und Methoden

Der Deutsche Weiterbildungsatlas geht bei der Untersuchung der Kreise und kreisfreien Städte Deutschlands erneut über die deskriptive Darstellung der Teilnahmequoten hinaus. Um die Vergleichbarkeit zwischen den Kommunen zu erhöhen bezieht er regionale Merkmale direkt in die Analyse mit ein. Mit Blick auf die Weiterbildungsangebote werden die im ersten Atlas bewährten, aber auch neue Datenquellen herangezogen. Darüber hinaus wird für die Angebote auch das im Umfeld vorliegende Angebot berechnet. Was den Berechnungen zugrunde liegt und wie diese funktionieren, soll im Folgenden erläutert werden. Eine weiterführende Darstellung der Methoden sowie der genutzten Daten findet sich im wissenschaftlichen Ergebnisbericht des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) unter ergebnisberichte.deutscher-weiterbildungsatlas.de


Datengrundlage Weiterbildungsteilnahme & Potenzialausschöpfung

Die Weiterbildungsteilnahme und die darauf aufbauende Potenzialausschöpfung wurden auf Grundlage der Ergebnisse des Mikrozensus berechnet. Der Mikrozensus ist eine jährliche Bevölkerungsbefragung, die im Auftrag des Statistischen Bundesamtes durchgeführt wird. Der Mikrozensus gehört mit einer Stichprobe von 1 Prozent der Wohnbevölkerung Deutschlands zu den größten jährlichen Bevölkerungsbefragungen Europas. Ausreichend hohe Fallzahlen in kleineren räumlichen Einheiten ermöglichen eine Regionalisierung der Befragungsergebnisse. Ein weiterer Vorteil des Mikrozensus liegt in der Auskunftspflicht, die im sogenannten Mikrozensusgesetz geregelt ist. So fällt die Auskunftsverweigerung mit unter 5 Prozent deutlich geringer aus als bei freiwilligen Befragungen. Bei der Frage zur Weiterbildungsteilnahme besteht ebenso Auskunftspflicht. Dies verhindert Selektionseffekte in der Form, dass nur Personen teilnehmen oder antworten, die ein gewisses Interesse an dem Thema haben. Die größtenteils persönlichen Interviews werden über das ganze Jahr verteilt durchgeführt, was eine Verzerrung durch saisonale Schwankungen reduziert. Es wurden Daten der Jahre 2012 und 2013 verwendet.

Grundlage für die Ergebnisse zur Weiterbildungsteilnahme und der Potenzialausschöpfung sind alle im Mikrozensus befragten Personen ab dem 25. Lebensjahr. Eine obere Altersgrenze wurde nicht gesetzt. Somit werden auch Senioren und deren Weiterbildungsteilnahme berücksichtigt.

 Auf der Ebene der hier untersuchten Kreise und kreisfreien Städte fallen die Fallzahlen deutlich geringer aus als noch auf Ebene der Raumordnungsregionen, die dem ersten Weiterbildungsatlas zugrunde lag. Im Jahr 2013 weist der Kreis mit den wenigsten Befragten eine Fallzahl von 201 Personen auf. Um sicherere Angaben zur tatsächlichen Teilnahmequote der regionalen Wohnbevölkerung zu machen, wurden zwei Maßnahmen ergriffen.

Erstens wurden fehlende Angaben mittels multipler Imputationen geschätzt. Im Wesentlichen wurden hierbei Informationen geschätzt, die für die auf der Teilnahmequote basierenden Potenzialausschöpfung benötigt werden. Die Weiterbildungsteilnahme selbst wurde nur in weniger als 0,1 Prozent der Fälle imputiert, was auch auf die Auskunftspflicht bei dieser Frage zurückzuführen ist. Zwischen 6,4 (2013) und 6,9 Prozent (2012) der Befragten konnten so zusätzlich analysiert werden. Der Deutschlandschnitt wurde wie beim ersten Weiterbildungsatlas ohne Imputationen berechnet, um die Vergleichbarkeit zum ersten Atlas herzustellen. Inklusive imputierter Werte ergibt sich ein leicht niedrigerer Deutschlandschnitt von 12,1 Prozent in 2013 und 12,3 Prozent in 2012. Personen mit fehlenden Informationen berichten also seltener eine Weiterbildungsteilnahme. Damit die Ergebnisse der Kreise und kreisfreien Städte im vorliegenden Atlas mit den Länderergebnissen vergleichbar sind, wurde auch bei den Ländern imputiert.

Zweitens werden die Teilnahmequoten der Kreise und kreisfreien Städte vor allem als Mittelwert beider untersuchter Jahre ausgegeben, um die Fallzahlen auf regionaler Ebene zu erhöhen. Dadurch verringert sich die Standardabweichung und der entsprechende Standardfehler der regionalen Teilnahmequote, was eine genauere Schätzung der tatsächlichen Teilnahmequote der regionalen Bevölkerung zur Folge hat. Zudem können durch den Mittelwert mögliche Jahreseffekte ausgeglichen werden.


Die Frage zur Weiterbildungsteilnahme

Die Frage zur Weiterbildungsteilnahme lautet ab 2010 „Haben Sie in den letzten 12 Monaten an einer oder mehreren Lehrveranstaltung/-en der allgemeinen oder beruflichen Weiterbildung teilgenommen oder nehmen Sie gegenwärtig daran teil?“. Was genau zu Lehrveranstaltungen zählt, wird in einem Erläuterungstext spezifiziert („Kurse, Seminare, Tagungen oder Privatunterricht, Studienzirkel“, 2013 zusätzlich auch „E-Learning-Fortbildungen“). Die im Jahr 2013 zusätzlich aufgenommenen „E-Learning-Fortbildungen“ machen bei der Weiterbildungsteilnahme im Mikrozensus aber wohl nur einen sehr geringen Teil aus, weil trotz der Erweiterung des Weiterbildungskonzepes die Teilnehmerquote von 2012 auf 2013 abnahm. Zudem werden Beispiele für die jeweiligen Formate gegeben. Mit der Frage werden größtenteils formale und non-formale Weiterbildungsaktivitäten gemessen. Die ebenso abgefragten Tagungen können allerdings auch als informelle Weiterbildung gefasst werden.

Wie im Sonderkapitel „Niedrige und sinkende Weiterbildungsteilnahme“ (S. 16 f.) angesprochen, rückte die Frage zur Weiterbildungsteilnahme zwischen 2011 und 2012 im Fragebogen deutlich nach hinten. In den hier betrachteten Jahren 2012 und 2013 bliebt sie allerdings in etwa an derselben Stelle.


Berechnung Weiterbildungsteilnahme

Die Weiterbildungsteilnahmequoten in den Bundesländern und Kreisen bzw. kreisfreien Städten ergeben sich aus dem hochgerechneten Anteil der Personen an allen befragten Personen (jeweils 25+ J.), die auf die oben genannte Frage zur Weiterbildungsteilnahme mit „Ja“ geantwortet haben. Zur Hochrechnung wird ein Hochrechnungsfaktor für die kleinräumige Ebene der Kreise und kreisfreien Städte verwendet, der vom Statistischen Bundesamt seit 2012 zur Verfügung gestellt wird. Die Ergebnisse beziehen sich stets auf den Wohnort der Befragten, nicht auf den möglicherweise abweichenden Ort der Weiterbildungsteilnahme.


Berechnung Potenzialausschöpfung

Die Potenzialausschöpfung beschreibt die Abweichung der beobachteten von der statistisch erwarteten Teilnahmequote in einem Bundesland oder einem Kreis bzw. einer kreisfreien Stadt. Hierzu wird auf Bundesebene eine logistische Regression (Maximum-Likelihood Schätzung) berechnet, um zu ermitteln, welchen Einfluss individuelle Merkmale auf die Wahrscheinlichkeit haben, an Weiterbildung teilnehmen. Dieses Modell beinhaltet 14 Variablen, die in 55 Dummy-Variablen zerlegt wurden. Inhaltlich handelt es sich um folgende Aspekte: Einkommen, Alter, Geschlecht, Erwerbsstatus, Stellung im Beruf, Beschäftigungsform, Arbeitszeiten, Beruf, Branchen, Betriebsgrößen, Familienstruktur, Bildungsstand, Berufsausbildung und Migrationsstatus. Durch dieses Modell kann für jeden Befragten aufgrund seiner Merkmalskombinationen eine Teilnahmewahrscheinlichkeit ausgegeben werden. Für jedes Bundesland und jeden Kreis bzw. jede kreisfreie Stadt kann nun auf Grundlage der Merkmalskombinationen der im Mikrozensus befragten Personen eine statistisch zu erwartende Teilnahmequote ausgegeben werden, die auf den addierten Teilnahmewahrscheinlichkeiten beruht. Die prozentuale Abweichung der beobachteten von der erwarteten Teilnahmequote zuzüglich 100 ergibt die Potenzialausschöpfung. Auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte werden zur Ermittlung der Potenzialausschöpfung noch Merkmale der Region kontrolliert. Diese sind: Bruttowertschöpfung aufgeschlüsselt nach Wirtschaftsbereichen, PKW-Fahrzeiten zu Mittel- und Oberzentrum sowie zur Autobahn und der siedlungsstrukturelle Typ der jeweiligen Region.


Datengrundlage Weiterbildungsangebote

Das öffentliche Weiterbildungsangebot in Form von Volkshochschulkursen beruht auf einer Auszählung der Volkshochschulstatistik des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung. Dort wurden öffentlich zugängliche Volkshochschulkurse gemessen. Hierbei handelt es sich nicht um die insgesamt angebotenen, sondern um die durchgeführten Kurse.

Das gemeinschaftliche Angebot in Form konfessioneller und gewerkschaftlicher Einrichtungen beruht auf der sogenannten Verbundstatistik des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung. Dargestellt wird die ungewichtete Anzahl der Einrichtungen. Genauer handelt es sich um Einrichtungen des gewerkschaftlichen Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben (BAK AL), des konfessionellen Deutsche Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (DEAE) und der Katholische Erwachsenenbildung Deutschland (KEB). Die in der Verbundstatistik ebenso erfassten Volkshochschulen wurden hierbei aus der Analyse ausgeschlossen, weil sie bereits bei dem öffentlichen Angebot gemessen werden.

Das privatwirtschaftliche Angebot in Form ungewichteter Weiterbildungseinrichtungen ergibt sich aus einer Auszählung des Unternehmensregisters. Dort wurden Unternehmen privatwirtschaftlicher Rechtsform ausgegeben, die nach dem Branchenschlüssel in den Bereichen „Sonstiger Unterricht“ oder „Erbringung von Dienstleistungen für den Unterricht“ tätig sind. Die Gewichtung nach der Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, wie sie noch im ersten Atlas auf Ebene der Raumordnungsregionen möglich war, ist auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte aufgrund von strengeren Datenschutzbestimmungen nicht mehr möglich. Daher wird sowohl für diese, aus Gründen der Vergleichbarkeit aber auch für die Bundesländer und den Bund die ungewichtete Anzahl der privatwirtschaftlichen Anbieter angegeben.

Beim betrieblichen Weiterbildungsangebot wurde ebenfalls auf das Unternehmensregister zurückgegriffen. Weil das Unternehmensregister selbst aber keine Auskunft über die Weiterbildungsangebote der Unternehmen gibt, wurden Daten des IAB-Betriebspanels (Unternehmensbefragung) angespielt. Dort wurde gemessen, ob Unternehmen interne oder externe Weiterbildungsangebote oder Vorträge/Tagungen anbieten. Die Wahrscheinlichkeiten, ob Unternehmen Weiterbildungsangebote machen, wurden über eine logistische Regression berechnet (Maximum-Likelihood Schätzmethode). Über Informationen zum Wirtschaftsbereich, der Zahl der Mitarbeiter und dem Bundesland wurden diese Wahrscheinlichkeiten angespielt. Weil auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte nur die Angaben aus dem Unternehmensregister variieren können, sind regionale Veränderungen stark mit der Veränderung der Angebotswahrscheinlichkeiten auf Bundeslandebene verknüpft.


Berechnung Weiterbildungsangebote vor Ort & im Umfeld

Alle Weiterbildungsangebote werden an dem regionalen Bevölkerungsstand relativiert und i.d.R. pro 1000 Einwohner ausgegeben. Hierbei ist zu beachten, dass die Angebote vor Ort nicht direkt mit den korrespondierenden Werten des ersten Atlas verglichen werden können. Das liegt daran, dass in dem vorliegenden Atlas die Bevölkerungsstände nach dem neuen Zensus (2011) herangezogen wurden. Dem ersten Atlas lagen noch die Bevölkerungsstände der Bevölkerungsvorausberechnung zugrunde. Da sich die Bevölkerungsstände nach der Vorausberechnung und dem neuen Zensus regional mitunter deutlich unterscheiden, ist bei den Angebotswerten keine direkte Vergleichbarkeit zwischen beiden Atlanten gegeben.

Bei den vor Ort vorliegenden Angeboten werden die innerhalb der administrativen Grenzen des Kreises bzw. der kreisfreien Stadt gemessenen Angebotswerte an der regionalen Bevölkerungszahl relativiert. Die Teilnahme an Weiterbildung beschränkt sich bei der Wohnbevölkerung allerdings nicht auf die Angebote vor Ort. Es werden auch entferntere Angebote wahrgenommen. Das zeigt auch die Auswertung des sogenannten Mobilitätspanels. Etwa 10 Prozent der dort befragten Personen nehmen mehr als 45 Kilometer für das Pendeln zu Bildungszwecken in Kauf. Auf Grundlage dieser empirischen Erkenntnisse über die Pendelbereitschaft werden im vorliegenden Atlas Angebote aus dem Umfeld mit einbezogen, um einen Überblick von den insgesamt zur Verfügung stehenden Angeboten zu geben. Genauer werden zunächst alle Angebotswerte der Kreise und kreisfreien Städte[1] anhand der potenziellen Nutzerschaft des Umfeldes relativiert, die sich auf Grundlage einer aus dem Mobilitätspanel berechneten Survivalfunktion ergibt. Diese relativierten Werte werden dann nach dieser Funktion gewichtet (Ausgangspunkt ist der betrachtete Kreis bzw. die betrachtete kreisfreie Stadt) für jeden Kreis bzw. kreisfreie Stadt aufaddiert. Durch diese Berechnungsmethode sind die Angebotswerte vor Ort und im Umfeld im Wesentlichen miteinander vergleichbar. Das Angebot im Umfeld berücksichtigt somit sowohl das vor Ort als auch im Umfeld vorliegende Angebot und relativiert diese an den potenziellen Nutzern dieser Angebote. Hierbei werden nicht nur direkt benachbarte Kreise und kreisfreie Städte berücksichtigt, sondern alle in der Bundesrepublik vorliegenden Angebote. Bei hoher Entfernung fließen die Angebote des Umfeldes allerdings nur noch zu verschwindend geringen Anteilen ein. Mehr als 100 Kilometer pendeln nämlich gerade einmal 0,6 Prozent der im Mobilitätspanel befragten Personen.

[1] Im Sinne der Verständlichkeit wird die Berechnungsmethode hier direkt anhand der Kreise bzw. kreisfreien Städte beschrieben. Im Detail werden die Angebotswerte zunächst auf die Gemeinden umgelegt und die beschriebenen Berechnungen auf Grundlage der Gemeinden durchgeführt. Abschließend werden die Gemeindeergebnisse wieder auf Ebene der Kreise aggregiert.


Datenquellen

Weiterbildungsteilnahme

· Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2012–2013

 Potenzialausschöpfung

· Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2012-2013

· Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR),

Indikatoren und Karten zur Raum- und Stadtentwicklung.

INKAR. Ausgabe 2013.

 Weiterbildungsangebot

 Öffentliches Weiterbildungsangebot

· Deutsches Institut für Erwachsenenbildung e.V.,

Volkshochschulstatistik 2012–2013

 Gemeinschaftliches Weiterbildungsangebot

· Deutsches Institut für Erwachsenenbildung e.V.,

Verbundstatistik 2012–2013

 Privatwirtschaftliches Weiterbildungsangebot

· Statistisches Bundesamt, Unternehmensregister 2012

 Betriebliches Weiterbildungsangebot

· Statistisches Bundesamt, Unternehmensregister 2012

· Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung,

IAB-Betriebspanel 2012

Kapitel Methodik

Hier wird in Kürze erläutert, was den Berechnungen zugrunde liegt und wie diese funktionieren. Eine ausführliche Darstellung der Methoden sowie der genutzten Daten findet sich im wissenschaftlichen Ergebnisbericht des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE).
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