Gemeinschaftliches Weiterbildungsangebot – Die Mitte Deutschlands mit den meisten Anbietern

Weiterbildung in Deutschland wird von vielen Schultern getragen, ob auf öffentlicher, privatwirtschaftlicher oder betrieblicher Seite. Um ein möglichst umfassendes und differenziertes Bild zu schaffen, nimmt der Deutsche Weiterbildungsatlas in seiner zweiten Ausgabe erstmals einen weiteren Anbieterkreis in den Blick: die gemeinschaftlich organisierte Weiterbildung gewerkschaftlicher und konfessioneller Träger. 

Ihr Angebot zeigt sich thematisch breit aufgestellt. Im Vordergrund stehen gesellschaftliche, politische, soziale und religiöse Themen. Es setzt sich zusammen aus den Aktivitäten unter dem Dach der „Deutschen Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung e.V.“ (DEAE), der „Katholischen Erwachsenenbildung Deutschland Bundesarbeitsgemeinschaft e.V.“ (KEB) und des gewerkschaftlichen Trägers „Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben e.V.“ (BAK AL). Die Weiterbildungseinrichtungen des BAK AL werden vom Deutschen Gewerkschaftsbund getragen. Die KEB vertritt die gemeinsamen Interessen katholischer Träger der Erwachsenenbildung während die DEAE der bildungspolitische Dach- und Fachverband der Evangelischen Erwachsenenbildung in Deutschland ist. 

Jede der drei Organisationen hat ihr eigenes Profil sowie besondere Schwerpunkte in der Weiterbildung. Politische und gesellschaftliche Themen stellen bei der BAK AL den größten Teil der Weiterbildungsangebote, es folgen Angebote zu Arbeit und Beruf. Bei der KEB hingegen dominieren Familien-, Gender- und Generationsthemen vor dem ebenfalls stark vertretenen Gesundheitsbereich. „Familie, Gender, Generationen“ ist auch bei der DEAE am stärksten vertreten, gefolgt von religiösen, kulturellen und gesundheitlichen Angeboten. Kurse zum Erwerb von Sprachen und Schulabschlüsse spielen bei allen drei Anbietern eine eher untergeordnete Rolle. Der Umweltbereich kommt am wenigsten zum Tragen. Bei den konfessionsgebundenen Einrichtungen haben Religion und Ethik zwar einen hohen Stellenwert, lebensnahe Themen wie Familie und Gesundheit spielen jedoch eine wichtigere Rolle.  

Insgesamt 1.175 Einrichtungen bot die gemeinschaftlich organisierte Weiterbildung im Jahr 2013 in ganz Deutschland. Die größte Präsenz zeigt dabei die KEB mit insgesamt 570 Einrichtungen, gefolgt von der DEAE mit 459 und dem BAK AL mit insgesamt 146 Einrichtungen. In allen Einrichtungen arbeiteten 2.668 hauptberufliche Mitarbeiter. Hinzu kommen weitere 68.825, die freiberuflich, nebenberuflich oder ehrenamtlich dieses Angebot stemmen. Gemeinsam stellten die drei Anbieter 2012/2013 durchschnittlich 1,45 Weiterbildungseinrichtungen je 100.000 Bundesbürger zur Verfügung.  

Obwohl diese Zahl zunächst gering anmutet, ist das gemeinschaftliche Weiterbildungsangebot für den Deutschen Weiterbildungsatlas äußerst wichtig, denn im Verbund sind die Weiterbildungsträger in ihrer Reichweite und Anbieterdichte von gesamtgesellschaftlicher Relevanz. Ein Blick auf die Entwicklung: Von 2012 auf 2013 sind die gemeinschaftlich organisierten Angebote je 100.000 Einwohner bundesweit minimal gesunken.


Unterschiedliche Verbreitung in den Bundesländern

Die höchste Angebotsdichte findet sich 2012/13 in Sachsen-Anhalt mit durchschnittlich 2,86 Einrichtungen je 100.000 Einwohner. Das entspricht dem Doppelten des Bundesdurchschnitts von 1,45. Des Weiteren sind die Anbieter in Niedersachsen mit 2,35, im Saarland mit 2,02 und in Rheinland-Pfalz mit 1,90 Einrichtungen besonders stark vertreten. Die besonders hohen Angebotswerte finden sich somit in der Mitte Deutschlands.

Die wenigsten Einrichtungen der gemeinschaftlichen Weiterbildung finden sich in Mecklenburg-Vorpommern (0,88), Sachsen (0,72), Bremen (0,61), Brandenburg (0,53) und Berlin (0,29). In den Bundesländern mit den meisten Einrichtungen (Nordrhein-Westfalen und Bayern) liegt die Versorgung je 100.000 Einwohner bei 1,33 bzw. 1,71, also im Mittelfeld.


Nur wenige angebotsstarke Kommunen

Der Blick in die Kommunen offenbart große Unterschiede bei diesen gewerkschaftlichen und konfessionellen Weiterbildungsangeboten. Die stärksten 5 Prozent stechen deutlich aus der Masse hervor. Und selbst innerhalb der Spitzengruppe ist die Spannbreite noch groß: die Versorgung reicht von 12,58 Einrichtungen je 100.000 Einwohner in Ansbach und 12,18 in Passau bis 5,59 in Bayreuth und 5,25 in Wilhelmshaven. Angebotsstarke Kommunen finden sich über die gesamte Republik verteilt: ob in Bayern und Niedersachsen oder in Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz. Insgesamt verzeichnet ein Viertel aller Kommunen weniger als 0,58 Einrichtungen der gemeinschaftlich organisierten Weiterbildung, die Hälfte der Kommunen weniger als 1,19 und das stärkste Viertel mehr als 2,35.  

Eine genaue Analyse der schwächsten Kommunen ist nicht möglich, weil in insgesamt 76 Kommunen in Deutschland keine Einrichtungen vorliegen. Das könnte daran liegen, dass es dort tatsächlich keine Einrichtungen der gemeinschaftlich organisierten Weiterbildung gibt. Eine weitere Möglichkeit ist, dass es in der betroffenen Kommune nur eine Niederlassung gibt, die eigentliche Hauptstelle, die gezählt wird, aber in der benachbarten Kommune liegt. Ein dritter Grund für das Fehlen von Daten ist der Umstand, dass sich einige Einrichtungen nicht an der deutschlandweiten Erhebung beteiligt haben. Von den insgesamt 1.175 Einrichtungen in der gemeinschaftlichen Weiterbildung wurden für die vorliegende Statistik rund 80 Prozent (79,4) erfasst und ausgewertet – also grundsätzlich eine gute Datenbasis, um Rückschlüsse auf den Zustand der gemeinschaftlichen Weiterbildung zu ziehen.


Schwache Kommunen profitieren von starkem Umfeld

Auch bei der gemeinschaftlich organisierten Weiterbildung ändert sich die Situation, zieht man das Lebensumfeld der Bevölkerung mit in Betracht. Schließlich können die Einwohner einer Kommune auch die Angebote der benachbarten Kommunen nutzen. Ein Vergleich der Einrichtungen vor Ort mit den Umfeldergebnisse der Jahre 2012/13 zeigt: Viele schwächer versorgte Kommunen haben stärkere Nachbarn, von denen sie profitieren.

Einer dieser starken Nachbarn ist die bayerische Stadt Ansbach. Mit ihren 12,58 Einrichtungen je 100.000 Einwohner ist sie sehr gut versorgt. Mehr als achtmal besser als der bundesdeutsche Durchschnitt von 1,45 Einrichtungen. In der Umfeldanalyse relativiert sich das Ansbacher Angebot dann zwar auf 3,08 Einrichtungen je 100.000 Einwohner, liegt damit aber immer noch um mehr als das Doppelte über dem Bundesdurchschnitt der Umfeldangebote (1,47).

Schwache Kommunen profitieren auch in anderen Regionen Deutschlands von dem Angebot ihrer Nachbarn. So legt der Rhein-Neckar-Kreis nach Einbeziehen seines Umfeldes von 0,19 vor Ort auf 1,06 zu. Ebenso der Landkreis Leipzig (0,39 auf 0,8) oder die Stadt Herne (0,65 auf 1,95). Zwar können solche Verbesserungen nicht immer in gleicher Deutlichkeit beobachtet werden, doch steigt bei der Mehrheit der angebotsschwachen Kommunen die Anzahl der Weiterbildungsmöglichkeiten je 100.000 Einwohner durch das Angebot im Umfeld. 

Dass insbesondere die schwach versorgten Kommunen durch ihr Umfeld gestärkt werden, bestätigt sich auch in der Quartilsberechnung: Wird das Umfeld mit einbezogen, ergeben sich für das schwächste Viertel weniger als 1,09 Angebote. Das ist ein fast doppelt so hoher Wert wie bei der reinen kommunalen Betrachtung. Die Hälfte der Kommunen verzeichnet bei der Umfeldbetrachtung unter 1,37 Angebote. Das ist rund ein Fünftel mehr als das durchschnittliche Angebot vor Ort. Nur das stärkste Viertel erfährt durch die umliegenden Kommunen einen Rückgang auf 1,75 Angebote. 

Abschließend lässt sich festhalten: Obwohl 76 der 402 Kommunen in der vorliegenden Statistik keine eigenen Einrichtungen verzeichnen, zeigt sich bei der Betrachtung des jeweiligen Umfeldes, dass es selbst bei den vergleichsweise kleinen Organisationen der gemeinschaftlich organisierten Weiterbildung in ganz Deutschland nur wenige blinde Flecke gibt. Wer ausreichend mobil ist, kann sich nicht nur vor Ort, sondern auch im Umfeld seines Wohnortes bei Einrichtungen weiterbilden, die gewerkschaftlich oder konfessionell organisiert sind.


Studie Deutscher Weiterbildungsatlas

Die Broschüre des Deutschen Weiterbildungsatlas bietet Ihnen alle zentralen Ergebnisse und Zusammenhänge in kompakter Form. Neben den Berichten mit der Einordnung der Ergebnisse, finden Sie hier alle wichtigen Karten und Grafiken. Darüber hinaus finden Sie hier auch die Kurzfassungen der Fallstudien sowie Ausführungen zur Methodik.
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Ergebnisbericht

In dem Ergebnisbericht des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) des WBV-Verlags finden Sie weiterführende Informationen zu den Ergebnissen und Methoden sowie die ausführlichen Fallstudien der Wissenschaftler vom DIE und der FU Berlin.

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