Sonneberg

Weiterbildungsvielfalt durch anhaltendes Engagement                 

Der Landkreis Sonneberg weist die höchste Zahl an VHS-Kursen in den ostdeutschen Bundesländern auf – und dies bei rückläufiger Bevölkerungsentwicklung. Dabei spielen die Volkshochschulen im Osten der Republik – historisch bedingt – eine eher untergeordnete Rolle.

Sie sind hier längst nicht so stark vertreten wie im Westen. Ein guter Grund, sich den Landkreis Sonneberg näher anzuschauen und die Gründe für die dort stark aufgestellte Volkshochschule unter die Lupe zu nehmen.


Starker Bevölkerungsrückgang im Süden Thüringens

Insgesamt acht Gemeinden zählt der Landkreis Sonneberg im Süden Thüringens. Die Infrastruktur im Landkreis ist gut: Ober- und Mittelzentren sind schneller erreichbar als im Landes- und Bundesdurchschnitt. Anders hingegen die Erreichbarkeit von Autobahnen und Flughäfen: hier muss man deutlich mehr Zeit für die Anreise einplanen. 

Die Region ist stark vom demografischen Wandel betroffen. Überalterung und Abwanderung sind kennzeichnend. Im Landkreis Sonneberg wohnten im Jahr 2013 rund 57.300 Einwohner. Mit einer Bevölkerungsdichte von 133,3 Personen je Quadratkilometer zählt Sonneberg zu den dünn besiedelten ländlichen Kommunen Deutschlands. Von 2007 bis 2013 ging die Zahl der Einwohner hier um gut 8 Prozent zurück, stärker als im Land Thüringen (-5,6 Prozent) und gut viermal so stark wie in Gesamtdeutschland (-1,8 Prozent). Geschrumpft sind vor allem die Jahrgänge der 18- bis unter 50-Jährigen, gestiegen hingegen ist der Anteil der über 50-Jährigen. Im Jahr 2011 lag das Durchschnittsalter bei 47,1 Jahren. Zum Vergleich: in Thüringen waren es 45,6 und in Deutschland 43,3 Jahre. 

Die Mehrheit der Bevölkerung hat einen Volks- oder Hauptschulabschluss bzw. die mittlere Reife. Die Fachhochschulreife bzw. das Abitur spielen eine deutlich geringere Rolle als im übrigen Thüringen und in Gesamtdeutschland. Allerdings ist auch der Anteil der Bürger ohne Schulabschluss geringer als im Vergleich zu Land und Bund. 

Von 2007 bis 2012 ist die Arbeitslosigkeit stärker zurückgegangen als in Land und Bund. In dieser Entwicklung dürfte sich u. a. der Fortzug von Menschen wiederspiegeln, die auf dem regionalen Arbeitsmarkt keine Perspektive mehr sahen. Fast 41 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben einen Job im produzierenden Gewerbe. Das sind deutlich mehr als in Land und Bund. Das Pro-Kopf-Einkommen lag im Landkreis Sonneberg zuletzt bei 18.325 Euro und damit über dem landesweiten Durchschnitt aber unter dem Bundesdurchschnitt.


Unternehmen fördern Qualifikation von Mitarbeitern

Vor dem Blick auf die Weiterbildungslandschaft zunächst ein Schlaglicht auf die Beschäftigtenstruktur: Zwischen 2007 und 2012 sank der Anteil der Beschäftigten ohne Ausbildung von 12,6 auf 7,8 Prozent stark ab. Gleichzeitig stieg der Anteil der Hochqualifizierten von 6,6 auf 7,4 Prozent. Offensichtlich gab es in Sonneberg immer weniger Beschäftigungsmöglichkeiten für Ungelernte und dafür mehr für Fachkräfte. Im gleichen Zeitraum sank die Arbeitslosenquote um mehr als die Hälfte: von 9,2 auf 4,5 Prozent. Der Wegzug von Bewohnern aus dem Landkreis wird dabei sicherlich eine entscheidende Rolle gespielt haben. 

Angesichts dieser Entwicklungen in einer nur dünn besiedelten Region bieten sich der Bevölkerung verhältnismäßig vielfältige berufliche Fortbildungsmöglichkeiten. Zahlreiche ortsansässige Unternehmen haben verstärkt in eine Aufstiegsqualifizierung ihrer Mitarbeiter investiert. Das Weiterbildungsangebot speist sich aus einer Vielzahl von Trägern und betrieblichen Weiterbildungsanstrengungen. Ein Grund hierfür könnten die Bestrebungen der vorangegangenen Jahre sein, einer zunehmenden Erwerbslosigkeit entgegenzuwirken und Fachkräfte im Landkreis zu generieren. 

Inhaltlich deutlich breiter aufgestellt sind die Volkshochschulen mit ihren sowohl allgemeinbildenden als auch beruflich qualifizierenden Angeboten. Das gilt auch für die VHS Sonneberg. Lesungen, Konzerte, gesundheitliche Bildung oder Tanzkurse zählen ebenso zu ihrem Programm wie auf Kinder und Jugendliche fokussierende Kurse und klassische Angebote aus der Berufswelt. So berichtet die VHS Sonneberg beispielsweise über eine verstärkte Nachfrage beim Nachholen von Schulabschlüssen und bei Sprachkursen. 

Dass die VHS Sonneberg das größte Pro-Kopf-Kursangebot in Ostdeutschland vorweisen kann, ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass die Anzahl der angebotenen VHS-Kurse trotz des Bevölkerungsrückgangs nicht reduziert wurde. Allerdings sagt die Zahl der angebotenen Kurse wenig über die tatsächlichen Teilnehmerzahlen aus. So ist es möglich, dass ein breites Angebot gemacht wird, die Kurse aber längst nicht ausgelastet sind. In jedem Fall wurden die Kursinhalte und -formate stetig den Bedürfnissen der Einwohner angepasst. Nach Meinung der Experten ist dies nicht zuletzt auf die anhaltend hohe Motivation der VHS-Mitarbeiter zurückzuführen. 

Die Kommunikation zwischen den einzelnen Weiterbildungsanbietern in Sonneberg ist geprägt von kurzen Wegen. Gute Abstimmungsmöglichkeiten führen zu einem Angebot, das dem Qualifizierungsbedarf vor Ort entspricht. Allerdings gibt es bisher keine Stelle, an der sich die Bevölkerung über das gesamte Angebot informieren könnte. Ein übergeordnetes Bildungsportal existiert nicht. Stattdessen informieren sich Interessenten entweder auf den Webseiten der VHS oder auf den Seiten der Bundesagentur für Arbeit.


Informationsportal für neue Impulse

Weniger Arbeitslose, ein steigender Anteil qualifizierter Beschäftigter, ein hoher Anteil sozialversicherungspflichtig beschäftigter Frauen: Vieles deutet darauf hin, dass der Landkreis Sonneberg nachhaltig die Weichen für eine stabile Zukunft stellt. Dazu gehört vor allem die Möglichkeit des lebenslangen Lernens. Besonders die Volkshochschule trägt mit ihrem umfangreichen Angebot dazu bei. Trotz des starken Bevölkerungsrückgangs verfolgt sie eine konsequente Linie hinsichtlich ihrer Angebotsstrategie für die breite Öffentlichkeit. Daraus resultiert dann auch das – bezogen auf die Einwohnerzahl – auffällig hohe Kursangebot.

Der Landkreis kann seine Weiterbildungspotenziale noch weiter ausschöpfen. Dazu tragen sicherlich die gute Verkehrsinfrastruktur bei sowie der Fortbildungsbedarf in den ortsansässigen Unternehmen bei. Aber insgesamt bleibt die Teilnahmequote zwischen 2012 und 2013 etwa 20 Prozent hinter den statistischen Erwartungen zurück. Vielleich könnte gerade die bislang fehlende Möglichkeit, sich über die Angebote in einem unabhängigen Portal zu informieren, positive Impulse geben.


Studie Deutscher Weiterbildungsatlas

Die Broschüre des Deutschen Weiterbildungsatlas bietet Ihnen alle zentralen Ergebnisse und Zusammenhänge in kompakter Form. Neben den Berichten mit der Einordnung der Ergebnisse, finden Sie hier alle wichtigen Karten und Grafiken. Darüber hinaus finden Sie hier auch die Kurzfassungen der Fallstudien sowie Ausführungen zur Methodik.
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Kapitel Fallstudien

Kurzfassung der Fallstudien aus der Broschüre Deutscher Weiterbildungsatlas Kreisebene.
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